Reinach: Gemeinderat
20.12.2017

Mit dem 11er über Reinach schweben: Geniale Idee oder Vision ohne Boden?

Mehrverkehr bewältigen: Postulant Steffen Herbert (SVP) will die 11er-Linie in die Höhe verlegen.Vorbild: Die Schwebebahn im deutschen Wuppertal. Fotos: Caspar Reimer/zVg

Mehrverkehr bewältigen: Postulant Steffen Herbert (SVP) will die 11er-Linie in die Höhe verlegen.

Vorbild: Die Schwebebahn im deutschen Wuppertal. Fotos: Caspar Reimer/zVg

Eine Hoch- und eine Gondelbahn soll den Verkehr in Reinach entlasten. Ein Postulat bittet den Gemeinderat, Vorschläge zu prüfen.

Caspar Reimer

Das Thema Verkehr ist in Reinach ein Dauerbrenner. Angesichts anstehender Bauvorhaben in Form von Quartierplänen ist die Bevölkerung skeptisch, wie Reinach mit dem zu erwartenden Mehrverkehr fertig wird. «Es wird für die Politik in Reinach schwieriger, die Quartierpläne bei der Bevölkerung durchzubringen», sagt Einwohnerrat Steffen Herbert (SVP). «Die Bevölkerung stellt zu Recht die Frage, wie wir in Zukunft das Problem Mehrverkehr lösen.»

Die Tramlinie 11, aber auch die Querverbindungen zwischen Dornach und Reinach stossen an ihre Kapazitätsgrenze und Autofahrer müssen an Bahnschranken teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen, was zu einem Rückstau in die Quartiere führt. «Die bestehenden Verkehrsachsen können den Verkehr bereits jetzt nicht mehr schlucken.» Mit einem ambitionierten Postulat will Herbert Bewegung in die Diskussion bringen: Zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Fraktion hat er ein Postulat erarbeitet, das für Reinach visionäre Lösungen vorschlägt: Herbert will in Reinach eine Hochbahn nach Hamburger Vorbild, eine Schwebebahn, wie man sie aus Wuppertal kennt, oder eine Monorail, also eine Einschienenbahn, bauen lassen. Diese soll oberhalb der heutigen Trasse des 11er-Trams verlaufen und Platz für andere Verkehrsteilnehmer schaffen. Autostaus wegen geschlossener Schranken an der 11er-Tramlinie gehören dann der Vergangenheit an. ÖV-Nutzer kämen in den Genuss einer effizienteren Verbindung Richtung Basel, da eine Hochbahn ordentlich Gas geben kann und sie nicht durch den Strassenverkehr blockiert wird.

Gondel von Dornach bis Reinach

Auch für die Querverbindungen nach und von Dornach hat Herbert Grosses vor: Er stellt sich eine Gondelbahn – analog jener im deutschen Koblenz – zwischen Bahnhof Dornach und Reinach Süd vor. «Gerade angesichts des Quartierplans Stöcklin, der ja realisiert wird, braucht es dort eine Entlastung des Verkehrs.» Weiter könnten Pendler aus dem Kägen-Quartier mit der Gondelbahn an den Bahnhof Dornach gebracht werden. Herbert sieht in der Gondelbahn auch touristisches Potenzial, indem diese nach Therwil oder gar nach Liestal verlängert werden könnte.

Herbert geht es nicht darum, den öV von der Strasse wegzubringen, um den Autoverkehr auszuweiten – im Gegenteil: «Der öffentliche Verkehr soll gefördert werden, sodass ein Umsteigen vom Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr wieder sinnvoll ist.» Herberts Postulat sei somit auch ganz nach dem Sinn der Energiestrategie des Bundes, weshalb sich Herbert Unterstützung für sein Anliegen erhofft.

Markt unter der Hochbahn

Mit der Verlegung des 11er-Trams in die Höhe entstehen nach Herberts Vision wieder ganz neue Möglichkeiten, Plätze zu nutzen. «Man könnte sich zum Beispiel gut vorstellen, dass unter der Hochbahntrasse im Ortszentrum ein Markt stattfindet.» Herbert sieht sein Postulat als Denkaufgabe an den Gemeinderat: Dieser soll nun zusammen mit den anderen Birsstadt-Gemeinden, der BLT und dem Kanton prüfen, welche Möglichkeiten zu realisieren sind.

Bei der BLT zeigt man sich grundsätzlich offen für Herberts Vorschläge: «Wenn es um die Förderung des öffentlichen Verkehrs geht, sind wir immer dabei», sagt Fredi Schödler von der BLT. Grundsätzlich ginge es darum, den ÖV vom Individualverkehr zu entflechten, um einen besseren Verkehrsfluss herzustellen. Zur Gondelbahn sagt Schödler: «Man muss sich fragen, welches Ziel man für die besagte Verkehrsstrecke hat und welches Verkehrsmittel sich am besten dafür eignet.» Herberts Postulat muss nun an einer der kommenden Einwohnerratssitzungen dem Gemeinderat überwiesen werden.

update ag