Reinach: Referendum
04.01.2017

«Quartierplan Jupiterstrasse» kommt an die Urne

Referendum ist zustande gekommen: Irene Maag (links), Nicole Wehrli und Roger Leu (rechts) überreichen Gemeindeverwalter Thomas Sauter 1099 Unterschriften.  Foto: Caspar Reimer

Referendum ist zustande gekommen: Irene Maag (links), Nicole Wehrli und Roger Leu (rechts) überreichen Gemeindeverwalter Thomas Sauter 1099 Unterschriften. Foto: Caspar Reimer

Ein Referendumskomitee hat 1099 Unterschriften gegen den «Quartierplan Jupiterstrasse» gesammelt. Abgestimmt wird frühestens im kommenden Mai.

Caspar Reimer

Die Reinacherinnen und Reinacher dürfen an der Urne über das Schicksal des Ende November 2016 vom Einwohnerrat beschlossenen «Quartierplans Jupiter-strasse» bestimmen. Das Referendumskomitee Jupiterstrasse begann in der Adventszeit Unterschriften gegen das Bauvorhaben zu sammeln. 500 Unterschriften sind für das Zustandekommen eines Referendums nötig, 1099 wurden gesammelt. Damit hat das Komitee die Minimalforderung bei weitem übertroffen. Zwischen Weihnachten und Silvester haben die Initianten des Referendums, Nicole Wehrli, Irene Maag und Roger Leu, die Unterschriften der Gemeinde überreicht.


Mehrverkehr befürchtet

Der Widerstand kommt nicht überraschend. Für das Referendumskomitee ist er Ausdruck eines grundsätzlichen Unbehagens, wie und vor allem wie viel in Reinach gebaut werden soll: «Beim Sammeln der Unterschriften sind wir in ganz Reinach auf Zustimmung gestossen», sagt Wehrli. «Es ist ein Thema, das uns alle betrifft.» Der «Quartierplan Jupiterstrasse» ist nur einer von vielen, die in Reinach zur Umsetzung anstehen. In Reinach Nord sind dies neben der «Jupiterstrasse» die Quartierpläne «Stockacker» und «Oerin» – weitere sollen folgen. «Es ist einfach zu viel», so Wehrli.

Das Bauvorhaben Jupiterstrasse füge sich zudem ästhetisch nicht in das bestehende Quartier ein, so das Komitee. Davon abgesehen ist das «ungelöste Verkehrsproblem» zentraler Kritikpunkt: «Wer im Quartier wohnt, weiss, wie es zu Stosszeiten aussieht. Die optimierten Grünphasen an der Kreuzung Fleischbachstrasse-Baselstrasse bringen momentan zwar eine Verbesserung. Wenn aber durch die geplanten Überbauungen über 1000 neue Menschen ins Quartier ziehen, ist das Ganze ein Tropfen auf den heissen Stein und fördert den bereits jetzt existierenden Schleichverkehr durch das Quartier.» Die Gemeinde ihrerseits hatte zwei externe Verkehrsgutachten machen lassen. Demnach werde die Verkehrskapazität auch dann nicht ausgelastet sein, wenn alle Quartierpläne realisiert sind.

«Verdichtetes Bauen als solches ist schon in Ordnung. Wir fragen uns aber, zu welchem Preis dies geschehen soll», sagt Roger Leu. Er würde gerne grundsätzlich darüber diskutieren, wie in Reinach in Zukunft gebaut wird.


Zonenplan ist Diskussionsresultat

«Meinungsbildung ist ein Dauerprozess. Das ist gut und richtig», sagt Gemeindepräsident Urs Hintermann, fügt aber hinzu: «Es ist überhaupt nicht so, dass diese Diskussion bisher nicht stattgefunden hat. Gerade in Reinach Nord.» So habe man im Rahmen der Richt- und der neuen Zonenplanung intensiv darüber diskutiert, wie sich das Quartier entwickeln soll, etwa während der Quartierspaziergänge in Reinach Nord. «Da ging es um Fragen der Dachformen, aber auch um Verdichtung. Das Resultat dieser Diskussionen ist der rechtskräftige Zonenplan.» Wann immer möglich, würde man die Anliegen aus der Bevölkerung aufnehmen. Allerdings seien die Interessen und Meinungen sehr unterschiedlich: «Es gibt auch zahlreiche Leute in Reinach Nord und Reinach allgemein, die die Stossrichtung des verdichteten Bauens gut und richtig finden. So haben wir seit den 60er-Jahren im Surbaum Hochhäuser, die akzeptiert sind und in denen zufriedene Bewohnerinnen und Bewohner leben.»
Wird der Quartierplan an der Urne abgelehnt, muss die Eigentümerschaft einen neuen Vorschlag ausarbeiten. Der Abstimmungstermin ist frühestens im Mai dieses Jahres.

update ag