Region: Weinbau
12.09.2018

Dem Frost-Frust folgt die Lese-Lust

Pralle Beeren: Dieser Anblick einer Riesling-Sylvaner-Rebe lässt das Herz eines jeden Winzers höherschlagen.  Foto: Milos Mihajlovic

Pralle Beeren: Dieser Anblick einer Riesling-Sylvaner-Rebe lässt das Herz eines jeden Winzers höherschlagen. Foto: Milos Mihajlovic

Vor einem Jahr noch kannte die Enttäuschung der Winzer wegen der grossen Ernteausfälle keine Grenzen. Dieses Jahr aber beschert der warme Frühling und der heisse Sommer unserer Region eine hervorragende Weinernte.

Milos Mihajlovic

Gewaltig, aussergewöhnlich, riesig!» Die Reaktionen der Weinbauern zum Jahrgang 2018 sind von Münchenstein bis Aesch euphorisch. Gemäss ihren Einschätzungen verspricht dieses Jahr eine einmalige Traubenernte. Ob es ein Rekordjahr wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen, da das «Herbsten» für die meisten Weinbauern gerade erst begonnen hat. Für Winzer Sascha Simmendinger ist nur eines bereits klar: «Das wird sicher einer der besseren Jahrgänge sein.» Vor einem Jahr sah es noch ganz anders aus: Damals hatte der Winzer einen Ernteausfall von 92 Prozent.

Simmendingers Rebberge sind auf rund drei Hektaren in Münchenstein, Arlesheim, Therwil, Dornach, Aesch und Riehen verteilt. Bereits vorletzte Woche hat er die weisse Rebsorte Solaris geherbstet. Ebenfalls in reichlicher Menge. «Es kommt aber vor allem auf die Qualität an», so Simmendinger. Er musste deshalb im Frühling viele Triebe wegschneiden, da sich dies sonst negativ auf die Güteklasse ausgewirkt hätte. Gerade eben ist er mit der Ernte der Riesling-Sylvaner-Trauben fertig geworden.

Auch auf den beiden Rebbergen des Winzer-Trios Quergut in Arlesheim herrscht Freude über die anstehende Ernte. «Trotz der Trockenperiode im Sommer rechnen wir mit einem grossen Ertrag mit einer super Qualität», berichtet Cécile Bühlmann. Dennoch bleibt sie vorsichtig bei ihren Prognosen. Letztes Jahr hatte das Quergut einen Ausfall von 93 Prozent zu beklagen. Zu ihren Sorten zählen Pinot Gris, Cabernet Blanc, Pinot Noir, Syrah und Sauvignon Blanc. Und auf der Klus in Aesch rechnet Tschäpperli-Winzer Ueli Bänninger mit einem tollen Jahrgang. «Einzig in den Randlagen und in den flachgründigen Zonen haben die Reben etwas gelitten.» Davon abgesehen ist aber auch er überzeugt, dass es eine sehr gute Ernte geben wird.

Weiter unten in der Klus zeigt sich Winzerin Monika Fanti begeistert. Die Aescher Gemeinderätin führt den Familienbetrieb in der fünften Generation. Auf dem 2,5 Hektaren grossen Wingert gedeihen Rebsorten wie Blauburgunder, Gamaret und Maréchale Foch. «Letztes Jahr war der Ernteausfall mit 92 Prozent sehr schlimm», erklärt Fanti. Heuer hingegen sähe sehr gut aus. Fanti schätzt beim Blauburgunder den Ertrag auf 700 Gramm pro Quadratmeter und beim Riesling-Sylvaner auf über ein Kilogramm pro Quadratmeter.

Unberechenbarer Schädling

Einziger Anlass zur Sorge ist für Fanti die von den Winzern gefürchteteKirschessigfliege. Diese könnte die Freude eintrüben. Sie sei aber in erster Linie nur für rote Reben ein Problem. Andreas Buser vom Zentrum Ebenrain in Sissach entwarnt: «Unser Monitoring zeigte Anfang letzter Woche erste Eiablagen der Kirschessigfliege auf den Trauben in unserer Region». Betroffen ist vor allem die Sorte Cabernet Dorsa. Diese aber werden die Winzer noch diese Woche abernten. Laut Buser sei dieses Jahr massiv besser als das letzte. «Jedoch kommt die Ernte sehr früh. Das ist nicht nur positiv. Die Vegetationszeit ist kürzer und das wirkt sich auf die Aromatik aus», sagt Buser. Besonders bei Weissweinen könnte dies zum Problem werden, wenn der Zuckergehalt sehr hoch und die Säure sehr tief sei. Beim Rotwein hingegen sei mehr Sonne hier sogar von Vorteil.

«Ausser man möchte aus Blauburgunder Crémant herstellen», sagt Weinbauer Sascha Simmendinger. Denn wenn der Zuckergehalt zu hoch sei, komme es nicht wie gewünscht zur zweiten Gärung in der Flasche. Er zeigt sich jedoch optimistisch. «Diese Woche kommt der Blauburgunder dran – und daraus gibts dann einen feinen Crémant», fügt er lachend hinzu.

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