Regio: Kirche
04.01.2017

500 Jahre Reformation

Reformation auf einen Blick: Das blaue «Re-Förmchen» samt Zwingli-Gutzi, die Zürcher Bibel von 1531 und der Mönch Martin Luther mit seinen 95 Thesen von 1517.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Reformation auf einen Blick: Das blaue «Re-Förmchen» samt Zwingli-Gutzi, die Zürcher Bibel von 1531 und der Mönch Martin Luther mit seinen 95 Thesen von 1517. Foto: Thomas Brunnschweiler

Mit Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablass begann 1517 die Reformation. Ein Gedenkmarathon, der sich ab 2017 über zwölf volle Jahre erstreckt, steht auch im Birseck an. Die reformierten Gemeinden setzen unterschiedliche Schwerpunkte.

Thomas Brunnschweiler

Das Jahr 1517 markiert mit der Publikation von Luthers 95 Thesen den Beginn der Reformation. Bis sich diese in Basel durchsetzte, vergingen nochmals zwölf Jahre. Doch der Bauernaufstand von 1525 verhalf der Bewegung in einigen Gemeinden des Birsecks und des Laufentals schon früher zum Durchbruch. Obwohl das Gebiet zum Fürstbistum gehörte, wurde aufgrund seiner Schwäche die reformatorische Predigt an zahlreichen Orten geschützt. Doch als der reformierte Pfarrer Friedrich Castalio im Frühjahr 1590 Reinach verlassen hatte, wurde im Birseck nach der Rekatholisierung überall wieder die Messe gelesen. Münchenstein, das historisch nicht zum Birseck gehört, besitzt dagegen von 1529 bis heute eine reformierte Gemeinde.


Keine naive Jubelfeier

Wie begeht man ein Ereignis, das die Spaltung der westlichen Christenheit bedeutete? Ist es ein Grund zum Feiern oder zum kritischen Innehalten? Ist die Reformation im Bewusstsein der Reformierten überhaupt noch präsent? Wie wird die römisch-katholische Kirche einbezogen? Das sind Fragen, die man sich im Dorneck und im Birseck ebenfalls stellt. Der Arlesheimer Pfarrer Matthias Grüninger schreibt: «Es wird keine naive Jubelfeier werden. Zur unkritischen Idealisierung sind die Nachfahren der Reformation kaum prädisponiert.» Das Jahr 2017 ist als «Internationales Reformationsjubiläum» erst der Auftakt zu weiteren Gedenkjahren, die mit dem «Reformationsjubiläum Beider Basel» 2029 enden. Die reformierte Gemeinde Dornach-Gempen-Hochwald begann das Jubiläum schon im Oktober mit einem Vortrag. Im Mai findet im Timotheus-Zentrum Dornach ein hochkarätiges Podium zum Thema «Einheit in der Vielfalt – Vielfalt in der Einheit – Ökumene wohin?» statt. In Aesch wird ein Jugendgottesdienst zum Reformationsjubiläum gefeiert, den die Jugendlichen selbst vorbereiten werden. Der Reformationsgottesdienst von Aesch, Dornach und Arlesheim findet im November ebenso in Aesch statt.


Ökumenische Herausforderung

Das Jubiläumsjahr in Reinach bringt unter anderem einen ökumenischen Gottesdienst in der Dorfkirche zum Thema «Ecclesia semper reformanda», drei Lektüreabende zu reformatorischen Schriften, eine Töfftour, einen Nachmittag zum Thema «Frauen der Reformation» sowie zwei Vorträge. Auch in Münchenstein sind die Vorbereitungen voll im Gange. Geplant sind ein Vortrag und eine ökumenische historische Stadtführung durch Basel, bei der Peter Habicht das Zusammenleben der Konfessionen erklären wird. Arlesheim bietet eine ökumenische Gemeindereise nach Mitteldeutschland an, einen Besuch von Jugendlichen am Jugendfestival in Genf und mehrere Altersstuben zum Thema. Ob im Birsecker Verband eine Beteiligung am Projekt «Martin Luther Reloaded» zustande kommt, wird noch entschieden. Auch in der katholischen Kirche wird das Jubiläum zur Kenntnis genommen. Alois Schuler, Gemeindeleiter von Reinach, sagt: «Damals, vor 500 Jahren, hat es die Kirche verpasst, die Impulse zu einer Reform aufzunehmen und die nötige Veränderung selber zu gestalten. Es kam zur Spaltung und erst 450 Jahre später zu einer neuen Annäherung und schliesslich, nicht zuletzt in Reinach, zu viel Gemeinsamem. 2017 könnte für alle Kirchen Anlass sein, heute nötige Reformen anzugehen. Wer von ‹Schwesterkirchen› spricht, sollte nicht bei Nettigkeiten stehen bleiben, sondern – wie damals Luther – freimütig Kritik üben, wie das unter Geschwistern üblich ist.»

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