Region: Verkehr
12.12.2018

«Herzstück» ist ein Teil der Lösung

Für eine attraktivere S-Bahn im Grossraum Basel: Die Petition «Ja zum Herzstück Basel. Jetzt» verlangt, dass in Bern ausreichend Bundesmittel für die Weiterentwicklung des Bahninfrastrukturprojekts gesprochen werden.  Foto: Thomas Kramer

Für eine attraktivere S-Bahn im Grossraum Basel: Die Petition «Ja zum Herzstück Basel. Jetzt» verlangt, dass in Bern ausreichend Bundesmittel für die Weiterentwicklung des Bahninfrastrukturprojekts gesprochen werden. Foto: Thomas Kramer

Die unterirdische Verbindung zwischen Bahnhof Basel SBB und Badischen Bahnhof sei eines von mehreren Verkehrsinfrastrukturprojekten, das für die Entwicklung des Birsecks wichtig ist, sagen lokale Wirtschaftsvertreter, Politiker und Investoren.

Tobias Gfeller

Die Unterstützung des Bundes für das Regio-S-Bahn-Projekt «Herzstück» ist gering. Nun fordern Politiker jedwelcher Couleur aus der Region mittels Petition, dass der Bund die 120 Millionen Franken für die Projektierung übernehmen soll. 10000 Unterschriften sollen unter dem Slogan «Ja zum Herzstück Basel. Jetzt» bis Ende Januar 2019 zusammenkommen. Der Nutzen des Projekts ist aber umstritten. Während Befürworter argumentieren, es sei für die Entwicklung der Region essenziell, bezweifeln Kritiker dessen Wirksamkeit.

Auch auf das Birseck hätte das «Herzstück» Einfluss. Lokale Wirtschaftsvertreter, Politiker und Investoren schätzen aber nicht primär das «Herzstück» als die Lösung für das Birs- eck ein, sondern sprechen sich für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur generell aus. «Das Herzstück ist gut, aber nicht die einzige Lösung», sagt etwa Gerda Massüger, Präsidentin von kmu Reinach. Es brauche «ein Gleichgewicht der Verkehrsträger»: Strassen und Schienen. «Für das Gewerbe hier im Birstal ist die Strasseninfrastruktur wohl wichtiger, damit die Unternehmen mit ihren Waren und die Handwerker selber pünktlich an ihre Arbeitsorte gelangen.»

Die kmu-Reinach-Präsidentin stellt die Bedeutung des «Herzstücks» aber nicht in Abrede. «Für die Pendler bringt es bestimmt eine Entlastung. Man ist schneller und hindernisfreier dort, wo man arbeitet.» Das sieht auch Marc Bürgi, Vorsitzender der Industrievereinigung Münchenstein-Arlesheim, so. «Für das Gewerbe und die Industrie ist das ‹Herzstück› ein enorm wichtiges Projekt. Es hilft mit, die Mitarbeitenden schneller an ihr Ziel zu bringen und so das Birstal als Firmenstandort attraktiver zu machen.» Er unterstreicht aber wie Massüger die Bedeutung aller Verkehrsträger. «Es braucht ein Gesamtpaket für die ganze Verkehrsinfrastruktur. Das ‹Herzstück› ist ein wichtiger Teil davon.» Im Vergleich zur Region Zürich befinde sich die Region Basel in der Verkehrsinfrastruktur zehn Jahre im Hintertreffen. «Das müssen wir ändern», fordert Marc Bürgi.

Für mehr «individuellen öV»

Auch Hans-Jörg Fankhauser, der mit seiner Uptown Basel AG auf dem Schorenareal in Arlesheim die Industrie 4.0 mit gegen 2000 Mitarbeitenden plant, hat einen Blick für die gesamte Verkehrsinfrastruktur. Im Gegensatz zu Gerda Massüger und Marc Bürgi steht bei ihm jedoch klar der öffentliche Verkehr im Zentrum. «Den müssen wir ausbauen. Ob nun das ‹Herzstück› das richtige Projekt dafür ist, sei mal dahingestellt.» Für ihn als Investor in Arlesheim habe der Viertelstundentakt der S-Bahn-Linie Basel–Aesch höchste Priorität. Danach folgt die Buslinie 63, die das Schorenareal mit dem Bahnhof Dornach-Arlesheim, Münchenstein und Muttenz verbindet. Angeschlossen daran ist auch der neue FHNW-Campus in Muttenz, mit dem Fankhauser für die Hightech-Industrie enge Verbindungen voraussagt. Als wichtigen Faktor im öffentlichen Verkehr, allen voran in kleinräumigen Gebieten, sieht der Arealentwickler den individuellen öffentlichen Verkehr. Kleinere Busse verkehren jeweils dort, wo sie gerade nachgefragt werden. Grösser gedacht gehe es auch darum, Mitarbeitende aus Basel, Deutschland und dem Elsass so rasch wie möglich ins Birstal zu bringen.

Für Münchenstein essenziell

Ein «vehementer Verfechter» des «Herzstücks» ist Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP). Münchenstein könnte davon profitieren, weil sich die Gemeinde gerade rund um den Bahnhof rasant entwickle. In Anbetracht der Entwicklungen auf dem Schorenareal in Arlesheim plädiert Lü-thi für zwei Haltestellen innerhalb des eigentlich durch die SBB vorgegebenen Abstandes. Gemäss Peter Tschudin, Gemeindevizepräsident von Duggingen und momentan Vertreter von Beat Fankhauser als Präsident des Vereins Birsstadt, habe das ‹Herzstück› primär Bedeutung für die stadtnahen Gemeinden. «Für uns hier in Richtung Laufental haben andere Projekte Priorität.» Zum Beispiel der Vollanschluss Aesch, der Muggenbergtunnel und der Doppelspurausbau. Werden diese Projekte realisiert, gewänne das «Herzstück» auch für das hintere Birseck an Bedeutung. «Mit der wirtschaftlichen Entwicklung, wie wir sie jetzt auf dem Schorenareal in Arlesheim sehen, wird der individuelle Personenverkehr sicher wichtiger, weil die Firmen ihr Personal immer grossflächiger rekrutieren müssen.»

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