Reinach: Archäologie
12.12.2018

Hinweise auf prähistorische Kultstätte im Norden Reinachs verdichten sich

Spektakulär: Ein neu entdecktes, drei Kilogramm schweres Mondhorn aus Ton passt zur Theorie einer epochenübergreifenden Kultstätte im Gebiet Mausacker.  Foto: Archäologie Baselland, Nicole Gebhard

Spektakulär: Ein neu entdecktes, drei Kilogramm schweres Mondhorn aus Ton passt zur Theorie einer epochenübergreifenden Kultstätte im Gebiet Mausacker. Foto: Archäologie Baselland, Nicole Gebhard

Bei einer Ausgrabung am Rainenweg wurde ein 3000 Jahre altes Mondhorn gefunden. Der Fund ist ein Höhepunkt in einer langen Reihe von Entdeckungen in Reinach.

Caspar Reimer

Das Gebiet Mausacker ganz im Norden von Reinach ist für Archäologen von grosser Bedeutung: In den letzten 25 Jahren wurden auf dem rund 8000 Quadratmeter grossen Feld beim Colmarerweg alte Gegenstände aus sämtlichen Epochen von der Altstein- bis in die Römerzeit gefunden. «Einige Funde sind dermassen rätselhaft, dass sie fast nur mit kultischen Handlungen zu erklären sind», sagt Kantonsarchäologe Reto Marti gegenüber dem Wochenblatt. Die Archäologen vermuten deshalb, dass auf diesem Gebiet eine Art epochenübergreifender Kultplatz angesiedelt war.

Ein neuer Fund erhärtet nun diese Theorie: Bei einer Grossgrabung am gleich benachbarten Rainenweg in diesem Sommer wurde ein über drei Kilo schweres Mondhorn aus Ton gefunden. Im Kanton Basel-Landschaft ist bislang nur ein solches Objekt gefunden worden – und zwar gerade 100 Meter westlich der neusten Grabung. «Die genaue Funktion dieser Mondhorne ist zwar umstritten, doch zusammen mit anderen Funden verdichten sich die Hinweise auf kultische Handlungen an diesem Ort.» In der Archäologie wird der Fundzusammenhang jeweils höher gewertet als der eigentliche Fund an sich: Erst aus dem Zusammenspiel vieler Funde und deren Analyse gelingt es, Einblick in unsere Vergangenheit zu gewinnen.

Gegenstände entweihen

Angefangen hatten die rätselhaften Funde auf dem Gebiet Mausacker im Jahr 1993 mit der Entdeckung von drei Mondhorn-Fragmenten und zwei sogenannten Firstziegeln – seltsamen, tonnenförmig gebogenen Tonobjekten. Zudem wurde ein frühbronzezeitliches Grab aus den Jahren um 1700 v. Chr. gefunden. Das Skelett des dort begrabenen Mannes weist Spuren massiver Gewalteinwirkung auf. In einer spätbronzezeitlichen Grube am Langrüttiweg wurden Gegenstände zudem «regelrecht bestattet», so die Archäologen. Spektakulär ist hierbei ein später gefundener Teppich aus über 70000 Keramikscherben. Dieser wird der frühen Eisenzeit zugeordnet. Alle gefundenen Gegenstände – so auch das neu entdeckte Mondhorn – haben gemeinsam, dass sie wahrscheinlich absichtlich beschädigt wurden: «Vergleiche zeigen, dass man mit Zerschlagen und Zerhacken die Gegenstände dem Alltagsgebrauch entziehen wollte. Ein Ritual, das auch in der Bibel erwähnt wird. Der Scherbenteppich könnte also der Überrest eines Ortes sein, an dem vor rund 2800 Jahren viele Menschen zusammenkamen, um gemeinsam den Göttern zu opfern», so die Theorie.

Weitere Auswertung

«In ihrer Grössenordnung ist die Fundstätte einzigartig in der Region», sagt Marti. Dabei können die Archäologen nicht einfach jederzeit an den Ort kommen, um zu graben. «Immer wenn wie jetzt am Rainenweg eine Baugrube ausgehoben wird, ist es für uns die Gelegenheit, Nachforschungen anzustellen.» Deshalb ist man als Archäologe jeweils dankbar, wenn zwischen dem Ausheben der Baugrube und dem eigentlichen Baubeginn genügend Zeit verstreicht.

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