Nach dem Ernstfall folgt die Übung
Eine Woche nach dem Tramunglück in Münchenstein inszenieren die BLT und der Kantonale Krisenstab eine Einsatzübung mit über 600 Beteiligten. Es wird zu Störungen im Feierabendverkehr kommen.

Lukas Hausendorf
Der Kantonale Krisenstab und die Baselland Transport AG wurden vergangene Woche von der Realität eingeholt. Eine Woche vor der seit langem geplanten Einsatzübung Montbrison in Aesch, bei der ein Tram der Linie 11 in einen spektakulären Verkehrsunfall verwickelt wird, verunfallte ein Tram der Linie 10 in der Nacht auf Donnerstag aus noch immer nicht geklärten Gründen in Münchenstein. Für die Verantwortlichen eine ungewollte Generalprobe. «Eine Ironie des Schicksals», meint BLT Direktor Andreas Büttiker.
Verkehrsprobleme sind programmiert
Was sich heute in Aesch zutragen wird, ist aber eine ganze Nummer grösser. Das Szenario sieht eine Kollision eines Tramzugs mit einem Lastwagen mit verheerenden Folgen vor. Aufgeboten werden mit Feuerwehr, Polizei, Sanität und Zivilschutz sämtliche Partnerorganisa-tionen des Bevölkerungsschutzes. Zur Bergung von Toten und Verletzten muss die Unfallstelle grossräumig abgesperrt werden. Umleitungen, Ersatzbusse – für die Bevölkerung sind die Auswirkungen kaum vom Ernstfall zu unterscheiden. Dass der inszenierte Unfall mitten zur Feierabendzeit stattfinden wird, was unweigerlich zu Störungen im Strassenverkehr führen wird, ist Teil dessen, was vom Kantonalen Krisenstab als realitätsnahe Einsatzübung bezeichnet wird. Und kommt den Milizkräften entgegen, die dafür nicht allzu lange am Arbeitsplatz fehlen.
Der Zeitpunkt wurde nicht nur darum bewusst gewählt. «In der Dämmerungszeit wird auch die Beleuchtung des Schadensplatzes ein Thema, wir wollten diese zusätzliche Schwierigkeit», erklärt Marcus Müller, Chef des Kantonales Krisenstabs. «Schliesslich ist eine solche Übung aber zum Nutzen der ganzen Bevölkerung», wirbt er um Verständnis für die mit Montbrison verbunden Unannehmlichkeiten.
Zusammenarbeit muss geübt werden
An der heutigen Übung in Aesch sind rund 680 Personen am Geschehen beteiligt, die sich aus 400 Einsatzkräften, 80 Übungsleitern und rund 200 Figuranten zusammensetzen. Ein besonderes Augenmerk gilt diesmal auch den Gaffern. «Anders als vor 20 Jahren ist das heutzutage ein Thema», so Müller. Gewisse Figuranten würden sich daher auch unter die Bevölkerung mischen und «ihre Rolle» spielen, erzählt er.
Bei derart vielen Akteuren und Problemstellungen ist die Notwendigkeit solcher Übungen nachvollziehbar. Transportunternehmen wie die BLT sind sogar von Gesetzes wegen verpflichtet solche Einsätze regelmässig zu proben, um für den hoffentlich nie eintretenden Ernstfall gerüstet zu sein.
Montbrison half in Münchenstein
Das Tramunglück in Münchenstein hat den Nutzen einer von langer Hand geplanten Notfallübung bereits demonstriert. «Die mentale Vorbereitung auf die Übung Montbrison half uns bei der Unfallbewältigung», meint BLT Direktor Büttiker. Auch Krisenstabchef Müller hält fest, dass der Einsatz vergangene Woche genau nach Einsatzplan abgelaufen sei. Heute wird es aber, allein der Dimension wegen, noch mal einiges anspruchsvoller, damit will man auch neue Erkenntnisse gewinnen.
Die BLT will anhand der heutigen Übung ihr Notfallkonzept, das von Verwaltungsratspräsident André Dosé vor vier Jahren initiiert wurde, überprüfen. «Wir müssen für Krisensituationen gerüstet sein», betont Büttiker. Diese wünscht sich zwar niemand, doch der Unfall letzte Woche hat gezeigt, dass ein Unglück trotz allen Bemühungen im Bereich der Unfallverhütung und stetig verbesserten Sicherheitsstandards nie ausgeschlossen werden kann.