Münchenstein: Rotes Kreuz
15.03.2017

Heilmittel gegen Einsamkeit

Beim Besuchsdienst wird auch viel gelacht: Rosa Dietschi (vorne) freut sich immer auf einen Besuch von Eva Baer (l.) – anlässlich des Fototermins mit dem «Wochenblatt» ist auch Ursula Winkler vom Roten Kreuz Baselland dabei.  Foto: Bea Asper

Beim Besuchsdienst wird auch viel gelacht: Rosa Dietschi (vorne) freut sich immer auf einen Besuch von Eva Baer (l.) – anlässlich des Fototermins mit dem «Wochenblatt» ist auch Ursula Winkler vom Roten Kreuz Baselland dabei. Foto: Bea Asper

Es gibt in der modernen Gesellschaft einen Trend zum Egoismus. Es gibt aber auch Menschen, die anderen etwas schenken wollen – zum Beispiel mit einem freiwilligen Engagement beim Besuchsdienst des Roten Kreuz Baselland.

Bea Asper

Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.» Diese in Holz geschnitzte Weisheit ist mehr als Dekoration der Wand am Haus von Rosa Dietschi. Die Worte sind Wegweiser. «Ich habe mein Leben lang Fronarbeit geleistet und wurde dafür belohnt mit Segen», erzählt die 97-jährige Münchensteinerin.

Dankbar nimmt sie seit ein paar Jahren die Unterstützung vom Roten Kreuz Baselland an. Die Organisation offeriert Seniorinnen wie Rosa Dietschi einen Besuchsdienst. Dies wiederum ist nur möglich dank dem Einsatz von Freiwilligen, erklärt Ursula Winkler vom Roten Kreuz Baselland. Seit der Einführung des Angebots vor zehn Jahren hat sich die Anzahl Besuchsstunden vervielfacht. Im letzten Jahr zählte das Rote Kreuz Baselland 3500 Freiwilligenstunden, geleistet von 80 Personen, die rund 100 Menschen mit einem Besuchsdienst Gutes tun. «Die Aufgabenbereiche sind sehr unterschiedlich», führt Winkler aus. «Vom Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen übers Spazierengehen bis zum gemeinsamen Besuch von Kulturveranstaltungen.»

Der Besuchsdienst kann auch kleinere Hilfeleistungen beinhalten, hauptsächlich dient er aber zur Verschönerung des Alltags und ist Heilmittel gegen Einsamkeit. «Der Besuchsdienst darf bezahlte Arbeit nicht konkurrenzieren», betont Winkler. Sie hofft, dass noch mehr Menschen bereit sind, ihre Person und Zeit einzubringen und damit einen Wert schaffen, der unbezahlbar ist. Die Freiwilligen können beim Roten Kreuz auf Weiterbildung zählen. «Regelmässig werden Anlässe durchgeführt zu aktuellen Fachthemen wie zum Beispiel zur Krankheit Demenz.» Und natürlich werden Treffen organisiert, an denen die Helferinnen durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch ihr Praxiswissen erweitern können. Freiwilligenarbeit ist ein sehr bereichernder Teil der Schule fürs Leben. «Wer diese Herausforderung meistert, geht gestärkt und zufrieden durchs Leben», weiss Winkler aus eigener Erfahrung.


Ausgleich zum Beruf

Der Besuchsdienst sei grundsätzlich eine sonnige Angelegenheit, doch wie zur Sonne gehöre auch zum Leben Schatten. «An schwierigen Momenten kommt niemand vorbei, auch unsere Freiwilligen vom Besuchsdienst nicht», räumt Winkler ein. Sie kann aber versprechen, dass die Helferinnen beim Roten Kreuz nicht allein gelassen werden, sondern immer auf ein offenes Ohr stossen. «Unsere jüngste Freiwillige ist 20 Jahre alt, unsere älteste ist Seniorin, einige haben dank Teilzeitarbeit Kapazitäten frei, andere sehen den Besuchsdienst als Ausgleich zum Beruf und als sinnvoll investierte Freizeit.» Helferin Eva Baer schildert ihre Besuchszeit bei Rosa Dietschi als «sehr bereichernd» und dass daraus eine Freundschaft entstanden ist, die sie nicht missen möchte. Dennoch merkt sie, dass der Besuchsdienst sie mental und körperlich auch fordere – auch weil sie selbst an einer Gehbehinderung leidet. «Ich verstehe dies aber als Herausforderung und nicht als Überforderung», sagt Eva Baer und freut sich vor allem darüber, dass sie Rosa Dietschi dabei unterstützen kann, weiterhin selbst wohltätig zu sein: So strickt Rosa Dietschi noch im hohen Alter Puppen und näht Kleider für ein Hilfsprojekt in Ecuador. «Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen», sagt Rosa Dietschi und schenkt Eva Baer ein herzliches Lachen.

Wünschen Sie sich manchmal Gesprächsmöglichkeiten oder sind Sie ausser Haus auf eine Begleitperson angewiesen? Oder möchten Sie sich umgekehrt in freiwilliger Tätigkeit für Senioren engagieren? Melden Sie sich beim Sekretariat Rotes Kreuz Baselland über die Telefonnummer 061 905 82 00 oder via E-Mail info[at]srk-baselland.ch.

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