Dornach: Theater
16.05.2018

Dornach macht Geschichte(n)

Das Stück spielt in der «Linde»: Noëmi Steffen, Ilja Baumeier, Jonas Rhonheimer (v. l.)  Foto: ZVG/Ilmarin Fradley

Das Stück spielt in der «Linde»: Noëmi Steffen, Ilja Baumeier, Jonas Rhonheimer (v. l.) Foto: ZVG/Ilmarin Fradley

Als ersten Teil einer Theater-Trilogie über Dornach inszeniert Jonas Darvas das Stück «Das Schweigen des Nepomuk» von Michelle Steinbeck. Die Stückfolge könnte auch Theatermuffel zu neues-theater.ch locken.

Thomas Brunnschweiler

Der junge Regisseur Jonas Darvas weiss, was er will. «Das Stück soll ein einfacher, direkter Abend werden, orientiert am Schweizer Sprechtheater», sagt er. Die Idee, die Trilogie «Chroniken von Dornach» zu lancieren, kam Darvas, weil «Geschichte und Geschichten immer schon ein Thema in Dornach waren.» Was aber verbindet den furchtbaren Brückensturz von 1813 mit einer berüchtigten Beiz von heute? Im Stück «Das Schweigen des Nepomuk», das auf den Brückenheiligen verweist, «graben Menschen aus Dornach Historien, Mythen und Gerüchte aus und versteigen sich in eine waghalsige Erzählung.» Das Ganze beruht auf wahren Begebenheiten. Doch was ist wirklich? Was ist wahr? Schon der historische Bericht von Pfarrer Markus Lutz, der als objektives Gutachten daherkommt, enthielt eine gewisse Tendenz, die Geschehnisse zu deuten. Selbst in der Geschichtsschreibung gibt es keine objektive Wahrheit. Zu jeder Erzählung gibt es viele Gegenerzählungen. Im ersten Teil der «Chroniken von Dornach» geht es nicht zuletzt um die Schuldfrage, die sich bei jeder Katastrophe unwillkürlich einstellt. «Der ganze Abend ist eine einzige grosse Behauptung», sagt Darvas.

Frecher Umgang mit dem Material

Ausgangspunkte für das Stück waren Personen, die namentlich in den Quellen erwähnt werden, der eingestürzte Gefängnisturm auf der Brücke und die Dorfschenke «Linde», die immer wieder im Zwielicht stand. Der Name der Schenke ist für Jonas Darvas bezeichnend. «Die Dorflinde war früher der Ort, wo man sich traf: zu Festen, zu Gerichtsverhandlungen und zur Klärung von Streitigkeiten», sagt er, «auch im Stück soll geklärt werden, was damals wirklich passiert ist». Für Jonas Darvas ist wichtig, dass die Stücke im lokalen Rahmen spielen, den auch das Publikum kennt. «Wir setzen immer wieder mit Fragen an, eine neue Geschichtsschreibung entsteht», sagt er. «Das Schweigen des Nepomuk» ist aber nicht einfach ein Historienstück, sondern wählt einen frechen, kreativen Umgang mit dem Material.

Zwei junge Talente treffen sich

Die junge Autorin Michelle Steinbeck wuchs in Zürich auf und studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Mit ihrem Roman «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» schaffte sie es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und die Shortlist des Schweizer Buchpreises. Heute lebt sie in Basel und Zürich. Jonas Darvas verdiente sich seine Sporen als Regisseur in Österreich und inszenierte bereits zwei Monologe der «Stückbox». Bekannt ist er auch von seinen Auftritten mit dem Slampoeten Laurin Buser her. Darvas träumt davon, mit dem Stück in kleineren Gemeinden auf Tournee zu gehen und es unter freiem Himmel zu zeigen. Theaterbegeisterte werden sich das Stück nicht entgehen lassen, aber auch Dornacher, die noch nie in neuestheater.ch waren, haben jetzt eine passende Gelegenheit dazu.

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