Musikalischer Sommerstrauss
Wohlverdienter Applaus für einen grossen Virtuosen: Der Gitarrist Michael Erni nach seiner Zugabe. Foto: Thomas Brunnschweiler
Am Sonntag präsentierte sich das Orchester Dornach unter Jonathan Brett Harrison mit einem leichten Sommerkonzert. Die Solisten brillierten, trotz eines fragwürdigen Programmpunkts.
Thomas Brunnschweiler
Der grosse Goetheanumsaal war einmal mehr Kulisse für eine Darbietung des Orchesters Dornach, das mit einem abwechslungsreichen, populären Klangmenu aufwartete. Den Anfang machte die auf Steigerungseffekte angelegte Ouvertüre zur Oper «Semiramis» von Gioacchino Rossini mit ihrer schönen pastoralen Hornpartie. Das Orchester wartete mit einem vollen, homogenen Klang und italienischer Leichtigkeit auf. Das Finale liess Dirigent Jonathan Brett Harrison wunderbar pulsieren. Im berühmten «Concierto de Aranjuez» für Gitarre und Orchester von Joaquin Rodrigo arbeiteten die Streicher die schwierige Rhythmik präzise heraus und man spürte, dass Harrison hier am maurischen Charakter gefeilt hatte. Der Schweizer Gitarrist Michael Erni überzeugte als Solist auf der ganzen Linie. Durch eine subtile Verstärkung seines warm klingenden Instrumentes drang er akustisch gut durch und konnte im zweiten Satz, dem herrlichen Adagio, alle Klangfacetten zum Ausdruck bringen; spannungsvoll vor allem in der Kadenz. Im dritten Satz ergänzten die Pizzicati der Streicher den feinen Gitarrenklang.
Problematische Filmmusik
Die «Masquerade» von Aram Chatschaturjan rief nach der Pause den leider etwas vergessenen sowjetischen Komponisten, der in Russland grosses Ansehen geniesst, wieder in Erinnerung. Der bekannte Walzer, der zwischen Melancholie und Lebenslust oszilliert, zeigte ebenso wie die Romanze und die Mazurka die Vielschichtigkeit dieses Tonkünstlers.
Dass man die Schoa musikalisch verarbeiten kann, beweist etwa Schönbergs «Ein Überlebender aus Warschau». Die klangliche Ästhetisierung des Holocausts und die gezielte Bewirtschaftung der Gefühle, wie John Williams sie in der Musik zu «Schindler’s List» betreibt, ist hingegen im Konzertsaal noch unerträglicher als im Film. Auch wenn die drei Stücke Williams’ der hervorragenden Violinistin Malwina Sosnowski Gelegenheit boten, ihr eminentes technisches und musikalisches Können unter Beweis zu stellen – Filmmusik gehört definitiv nicht in das Programm eines klassischen Konzerts.
Wie erholsam war da Sosnowskis Zugabe, ein brillant vorgetragenes musikalisches Wortduell zwischen Mann und Frau. Nochmals aus dem Vollen schöpfen konnte das in grosser Besetzung aufspielende Orchester in drei Slawischen Tänzen von Antonin Dvorak. Jonathan Brett Harrison arbeitete die kontrastreichen Wendungen dieser teilweise wuchtigen Musik dynamisch differenziert heraus. Das Opus 46 Nr. 8 g-Moll Presto gab es da capo als Zugabe und es schien, als hätten sich die Spielfreude des Orchesters und die Spontaneität des Dirigenten durch den Schlussapplaus nochmals gesteigert.


