Arlesheim: Quartierplanung
15.03.2017

Vereine warten seit 1992

Bauplatz für «Unser Saal»: Die ehemalige Buchdruckerei Arlesheim, früherer Standort des «Wochenblatts».  Foto: E. Savoldelli.

Bauplatz für «Unser Saal»: Die ehemalige Buchdruckerei Arlesheim, früherer Standort des «Wochenblatts». Foto: E. Savoldelli.

Der Kultursaal am Stollenrain soll dem Arlesheimer Kulturschaffen eine Bühne bieten. Die Bedenken von Anwohnern, die Lärm und Mehrverkehr fürchten, konnte der Gemeinderat an einer Informationsveranstaltung nicht ganz zerstreuen.

Lukas Hausendorf

Am 29. März stimmt die Gemeindeversammlung über die Quartierpläne Stollenrain Ost und Klinik Arlesheim ab. Es wird zugleich auch der erste Grundsatzentscheid in Sachen Kultursaal sein, der im Quartierplan Stollenrain Ost abgehandelt wird. Dreizehn Jahre nach dem Badhof-Debakel steht Arlesheim wieder vor einer Abstimmung über einen Kultursaal. Dieser soll primär ein Musiksaal sein, der bestuhlt 530 Besuchern Platz bietet. Über «Unser Saal» wird schon seit zwei Gemeindewahlen geredet, jetzt ist es beinahe beschlussreif.

Der Gemeinderat hielt am Montag in der Aula des Schulhauses Gerenmatten ein letztes Plädoyer für den Kultursaal und versuchte Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Insbesondere bei den Anrainern des Stollenrains ist Skepsis zu finden. Im Mitwirkungsverfahren zum Quartierplan Stollenrain Ost kamen aus der Bevölkerung 18 «primär kritische» Eingaben, wie Gemeinderat Daniel Wyss ausführte. Die Kritik am Saalbau auf der Parzelle der ehemaligen Druckerei des «Wochenblatts» gründet vor allem auf der Furcht vor höheren Lärmimmissionen durch den Veranstaltungsbetrieb und zu erwartenden Mehrverkehr. «So ein Betrieb bringt Mehrverkehr, das kann man nicht leugnen», so Gemeindepräsident Markus Eigenmann. Allerdings kaum in dem Ausmass, wie es die Anwohner fürchten. Im Verkehrskonzept wird zu den Spitzenzeiten mit 45 zusätzlichen Autos pro Stunde gerechnet.


Das Arlesheimer Kulturprozent

Aber um solche Fragen drehte sich die gut besuchte Veranstaltung nur am Rande. Erstmals vor der Abstimmung über den Quartierplan am 29. März präsentierte der Gemeinderat Details zum Betriebskonzept des Saals, das die operative Führung über einen Trägerschaftsverein analog der Sporthalle Hagenbuchen vorsieht. Dabei machte Finanzchef Lukas Stückelberger auch gleich klar: «Kultur muss nicht selbsttragend sein.» Die jährlichen Betriebskosten werden sich demnach auf knapp 235 000 Franken belaufen, den Ertrag durch Vermietungen bereits einkalkuliert. Damit verdoppeln sich die Kulturausgaben der Gemeinde de facto, die aktuell bei 0,5 Prozent des Budgets liegen. «Mit dem Saal haben wir ein Kulturprozent», so Stückelberger. Dieses soll in erster Linie den Kulturschaffenden in der Gemeinde zugute kommen.

«Unsere Vereine warten seit 1992 auf eine bedarfsgerechte Infrastruktur», sagte er. Was man ihnen heute im Dorf anbiete, sei höchst grenzwertig. In einer Bedarfsanalyse für den neuen Saal kam man für das Jahr 2016 auf 25 Gross-, 50 mittelgrosse und 270 Kleinanlässe, die die 55 Arlesheimer Vereine und die Musikschule auf die Beine stellten. Der Grossteil davon findet heute in der Mehrzweckhalle beim Domplatzschulhaus und in der Aula Gerenmatte statt. Das Gros dieser Veranstaltungen, die auch zahlreiche Proben beinhalten, soll künftig im Kultursaal am Stollenrain stattfinden. Im Herzen von Arlesheim. Das ist politisch ein Grundsatzentscheid des Gemeinderats. «Kultur soll im Dorf stattfinden», betonte Eigenmann mehrmals. Das schätzt nicht zuletzt auch die Bevölkerung. Zuzüger würden die kulturelle Vielfalt der Gemeinde noch höher gewichten als den Steuersatz, so Stückelberger.


Spatenstich in zwei Jahren

Nimmt der Saal am 29. März via Quartierplan-Abstimmung die erste Hürde, wird prompt ein Architekturwettbewerb lanciert und im zweiten Quartal 2018 das Vorprojekt der Gemeindeversammlung vorgelegt werden. Baubeginn wäre dann 2019. Wenn die Baubewilligung erteilt ist, will der Gemeinderat auch einen Investor für die Mantelnutzung des Kultursaals finden. Während der Saal 6 Millionen Franken kostet, schlägt die Mantelnutzung mit rund 9 Millionen Franken zu Buche, die aber komplett ein Investor aufbringen soll. Die Mantelnutzung, ob Wohnen oder Gewerbe, sei indes noch gänzlich offen.


Zum Quartierplan Stollenrain West (Klinik Arlesheim) wird die Klinik Arlesheim am 22. März um 19 Uhr im Speisesaal Haus Wegman einen eigenen Informationsabend durchführen.

update ag