Trüffel, Mord und Teufelswerk

Am 8. Mai begeisterte der Schriftsteller Martin Walker in der Trotte das zahlreich erschienene Publikum. Er erwies sich als humorvollen Causeur und kenntnisreichen Botschafter des Périgord.

Charmanter Schotte: Der Schriftsteller Martin Walker beim Signieren seines neuen Buches.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Charmanter Schotte: Der Schriftsteller Martin Walker beim Signieren seines neuen Buches. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Die Leiche einer nackten Frau mit einem Pentagramm auf dem Bauch treibt den Fluss hinunter und schon ist man mittendrin in «Femme fatale», dem fünften Bruno-Roman. Auch dieses Mal setzt sich Bruno, der einzige Polizist der fiktiven Ortschaft Saint-Denis, für die Gerechtigkeit ein. Nebenher kocht er schon mal eine Omelette aus mit Trüffel aromatisierten Eiern oder kümmert sich abwechslungsweise um Pamela und Isabelle. Brunos Weg führt in die Teufelshöhle, wo ein abgeschnittener Ziegenkopf und eine schwarz bemalte Madonna für Irritation sorgt, und er stösst auf Prostituierte, eine falsche Krankenschwester, Waffengeschäfte mit dem Libanon und eine ehemalige Kämpferin der Résistance. Sicher ist: Auch nach dem fünften Bruno-Roman bleiben Leserinnen und Leser mit Hunger und der Lust auf die kulinarischen Freuden des Périgord zurück.

Botschafter des Périgord
Der sympathische Schotte wurde erst von Jean Pelluch willkommen geheissen, erzählte dann auf Deutsch Anekdoten über die Wirkung seiner Bücher auf sein Dorf und las englische Ausschnitte aus «The Devil’s Cave», wie «Femme fatale» im englischen Original heisst, wobei er sich als angenehmen Vorleser erwies. Noëmi Niederberger und Luca Vincenzi vom Jugendtheater «Junges M» lasen je eine Passage auf Deutsch. Es fiel auf, dass der sprachliche Rhythmus des Originals harmonischer wirkt als derjenige der Übersetzung.
Im Anschluss an die Lesung befragte der Journalist Lukas Hausendorf den Autor auf geschickte Weise. Autor fiktionaler Bücher sei er durch den Umzug ins Périgord (die geschichtsträchtige, malerische Gegend im Südwesten Frankreichs) geworden, sagte Walker. Da er an den Problemen der Globalisierung arbeite, flössen immer Konflikte der Welt in die ländliche Idylle. Walker ist der beste Botschafter der Region, was auch im kleinen Reiseführer zum Ausdruck kommt, der diesem Buch beiliegt.

Bald auch als Film
Walker fühlt sich trotz dem Erfolg nicht unter einem Leistungsdruck. Nach seinen Rezepten gefragt, verriet er, er werde mit seiner Frau und Pierrot, dem Dorfpolizisten, ein Kochbuch schreiben. Seine Hühner trügen Namen von Politikern, wobei «Angela Merkel» am meisten Eier gebe. Seinen Fasan «Hollande» müsse er hingegen wegen seines Verhaltens gegenüber den Hühnern bald in «Strauss-Kahn» umbenennen. Walker hatte mit solchen Geschichten die Lacher auf seiner Seite.

Man erfuhr, dass Walker mit dem ZDF über eine Verfilmung des Bruno-Stoffs in Verhandlungen steht. Mit seinen in 15 Sprachen übersetzten Krimis hat sich der Autor in die Bestsellerlisten katapultiert. Der 1947 in Schottland geborene Historiker und politische Journalist erhielt seine Bildung in Oxford und Harvard. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums war er 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung «The Guardian» tätig. Heute reist er in der ganzen Welt herum. Seine Hauptwerke sind eigentlich Sachbücher über Politiker, den Kalten Krieg und Russland.

Martin Walker: Femme fatale (The Devil’s Cave), Diogenes-Verlag, Zürich 2013, 496 Seiten. Fr. 32.90. Alle Bruno-Romane finden Sie in der Buchhandlung Nische.

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